Bidirektionale Kommunikation von Sigfox erweckt Objekte zum Leben

Sigfox setzt darauf, dass die Zukunft des IoT im „Massen-IoT“ liegt, das Milliarden von ganz alltäglichen Gegenständen ans Internet anbindet.
Sigfox setzt darauf, dass die Zukunft des IoT im „Massen-IoT“ liegt, das Milliarden von ganz alltäglichen Gegenständen ans Internet anbindet.

Wie kann man Objekte zum Leben erwecken, mit wenig Geld IoT-Projekte umsetzen oder mittels Sensoren Leben retten? Diese Fragen beantwortet Vincent Sabot, CEO Sigfox Deutschland im Gespräch mit IoT4 Industry&Business und sieht darüber hinaus in smarten Produkten einen enormen Wettbewerbsvorteil
für österreichische Unternehmen.

IoT Industry & Business: Die Vision von Sigfox lautet „Make Things Come Alive“. Was ist darunter zu verstehen?
Vincent Sabot: Ja, das ist die Grundsatzidee von Sigfox. Wir helfen Sensoren, die in ein Objekt integriert sind oder adaptiert werden, ihre Daten über ein Funknetzwerk in die Cloud zu bringen. Dadurch erwecken wir die Objekte zum Leben, indem wir eine bidirektionale Kommunikation erlauben. Im Prinzip könnte es ein Stuhl sein, unter dem ein Sensor montiert ist und der sagt: Auf diesem Stuhl sitzt jemand. Dadurch machen wir den Stuhl lebendig.

Vincent Sabot CEO Sigfox Deutschland „Man kann im Bereich
IoT mit wenig Daten sehr viel erreichen.“

IoT: Der Stuhl kommt aus dem Möbelhaus mit Sensor in die Verpackung – und dann zu mir nach Hause? Ein gefährlicher Gedanke.
Sabot: Ja, im Consumerbereich ist das ein riesen Thema. hier ist die Akzeptanz dieser ganzen IoT-Objekte eher geringer obwohl B2C-Lösungen bei uns mehr und mehr ein Thema werden. Der Konsument stellt sich jedoch sehr viele Fragen wie: Wer hostet meine Daten und was passiert mit ihnen? Diese Fragen muss man natürlich adressieren, um Erfolg zu haben. Wir bieten unsere Lösungen aktuell jedoch noch mehr für Business-Zwecke an. Beispielsweise in den Bereichen Industrie und Logistik, aber auch Smart Cities. Die Daten gehören hier in jedem Fall unseren Kunden oder unseren Partnern, also denjenigen die das Objekt betreiben. Wir als Sigfox sind nur ein Netzwerk, eine Transfer-Cloud. Wir pushen die Daten in eine End-Cloud, in der die Daten bearbeitet werden.

IoT: Sind wir schon überkontrolliert?
Sabot: In Europa ist das, glaube ich, nicht der Fall. Darüber hinaus kann man sich in anderen Ländern sicher diese Frage stellen. man weiß ja z.B. was in Fernost passiert. Als Sigfox achten wir sehr darauf, was mit den Use Cases passiert. Und wir arbeiten auch mit vertrauenswürdigen Partnern, die sind sich des Themas sehr bewusst.

IoT: Sigfox verbindet Objekte, die sehr kleine Botschaften übermitteln. Da können keine wichtigen Infos dabei sein, oder?
Sabot: Es sind 12 Byte und es können nur einige Sensorikdaten übermittelt werden. Das kann eine Positionierung sein, das kann ein Ereignis sein, z.B. ‚da hat sich jemand auf den Stuhl gesetzt‘, Vibration, Temperatur, Feuchtigkeit oder ein paar Maschinendaten. man wird nicht ein komplettes Verhaltensmuster wie z.B. wie bei Wlan oder 5G übertragen können. Und das gefällt auch unseren Partnern und Kunden, weil es letztendlich weniger Strom verbraucht und günstiger ist. Auch die Elektronik ist wesentlich günstiger, wir sind Faktor zehn günstiger als herkömmliche Mobilfunklösungen. Man kann im Bereich IoT mit wenigen Daten sehr viel erreichen und gleichzeitig bei der Energie und den kosten sparen. Bei Sigfox geht es nicht darum etwas zu ersetzen. es geht um eine ergänzende Alternative, mit der man energiesparend agieren kann.

IoT: Es werden sehr viele Daten gesammelt, aber nicht jeder braucht alles.
Sabot: Das ist der Punkt. Vor drei, vier Jahren hieß es: Wir brauchen alles. Mittlerweile gibt es Unternehmen, die nur die Daten wollen, die relevant sind. Und Sigfox hilft dabei diese zu bekommen. Wir haben auch Anwendungen, wo wir ein 4G-, ein Wlan- und ein Sigfox-Modul im gleichen Gerät haben. Die breitbandige Technologie wird nur verwendet, wenn man sie wirklich braucht. Sigfox wird praktisch als ein Warenkanal genützt, der ein paar Daten mit schwellenwerten überträgt.

IoT: Es gäbe viele weitere Anwendungsmöglichkeiten für IoT, wie könnten die aussehen?
Sabot: Wir haben einen sehr erfolgreichen Use Case in Spanien, Frankreich und Benelux. Es ist ein Hausüberwachungsgerät von Securitas. Das Gerät funktioniert sehr störungssicher. Einbrecher wissen inzwischen, dass sie GSM-Signale sehr einfach mit einem Jammer für 200 Euro stören und das Überwachungsgerät lahmlegen können. Das funktioniert mit Sigfox nicht, weil wir in einem sehr schmalen Signalspektrum sind und Einbrecher enorm viel Energie und zigtausende Euro für Störequipment brauchen, um unser Signal zu stören. ein anderes Beispiel kommt aus Frankreich. hier bietet Senior Adome einen Bewegungssensor für ältere Menschen, der in jedem Raum der Wohnung oder des Hauses installiert, überwacht, ob jemand gestürzt und liegen geblieben ist, um dann einen automatischen Alarm abzusetzen.

IoT: Sind das Beispiele für das Thema „Massen-IoT“?
Sabot: Genau. Sigfox ist kostengünstig und energiesparend von der Gesamtelektronik her. Eine unserer Basisstationen kann mehr als eine Million Devices unterstützen und das kann keine andere Technologie. Eine Mobilfunkzelle kann max. 40.000/50.000 Devices unterstützen. Natürlich ist das eine andere Philosophie. Wir haben inzwischen mehr als drei Millionen Geräte, die auf unseren Netzwerken funktionieren und das ist erst der Anfang. Unsere Ziele sind da sehr, sehr ambitioniert.

IoT: Der Begriff IoT wird sehr gerne verwendet. Die Umsetzung in den Unternehmen ist aber sehr unterschiedlich. Wie fit sind die europäischen Unternehmen in Sachen IoT?
Sabot: Das ist länderspezifisch verschieden. Ich kenne die Märkte Frankreich und Deutschland sehr gut. Die deutsche Industrie ist hier ein Vorreiter im Bereich Predictive Maintenance oder Logistik. Frankreich geht mehr in Richtung der angesprochenen Dienstleistungen. Österreich sehe ich ein bisschen hinterher. Die österreichische Industrie ist da sehr konservativ und es gibt Nachhol- und Handlungsbedarf. Wenn ein Unternehmen es schafft, sein traditionelles Produkt smart zu machen, entsteht ein sehr starker Wettbewerbsvorteil und der ist manchmal nicht mehr einholbar.

IoT. Wie sieht die Zusammenarbeit mit Sigfox konkret aus?
Sabot: Wir bauen die Geräte nicht selber, wir sind nur der Provider, der die Kommunikation zwischen Device und der Cloud des Kunden ermöglicht. Wir bieten nur das Übertragungsnetz von diesen Sensorendaten. Aber wir haben ein aktives Ökosystem-Management und beraten unsere Kunden, welche Geräte am Markt Sigfox-fähig sind und welche Cloud-Plattform schon mit Sigfox arbeitet. Wir haben auch Partner und Electronic Manufacturer, die helfen einen Business Case aufzubauen. Man kann sich das alles auch unter partners.Sigfox.com anschauen.

IoT: Wird der Mensch durch die Digitalisierung überflüssig?
Sabot: Das war auch ein sehr interessanter Punkt auf unserer Veranstaltung Sigfox Connect Ende Oktober. Hier diskutierten wir mit unserem weltweiten Ökosystem, die Frage „Gefährdet IoT Jobs?“. Unserer Meinung nach nicht. Wir glauben, dass es im Gegenteil neue Dienstleistungen geben wird, neue Anforderungen, neue Kategorien von Jobs. Digitalisierung ist etwas, das die Qualität und Effizienz der Arbeit erhöht, aber nie den Menschen ersetzten wird. Sie werden immer einen physischen Check oder eine begleitende Maßnahme brauchen. Und es wird neue Jobs kreieren. Bei Data-Analysten gibt es z.B. einen riesen Bedarf.

IoT: Werden Sensoren so intelligent, dass sie sich eines Tages selber analysieren können?
Sabot: Die Verbindung von IoT und KI wirft diese Frage auf. KI ist ein wichtiges Thema, aber wie bei jedem technologischen Trend braucht es immer ein bisschen mehr Zeit bis er wirklich kommt. Das hat auch für IoT gegolten. Man hört schon seit Anfang der 2010er Jahre davon, tatsächlich kommt es jetzt erst in die Anwendung. Genauso wird es bei KI sein. Das kommt erst in fünf bis zehn Jahren und in der Robotik noch ein paar Jahre später. Die Verbindung von IoT und KI wird sicherlich einige Tasks ersetzten, aber es wird immer einen menschlichen Entscheidungspunkt geben müssen. Der wird nicht mit allen Daten konfrontiert werden, aber bei vielen Prozessen wird man auf menschliches Know-how bauen müssen. Das ist eine optimistische Sichtweise, aber das erfordert, glaube ich, auch ein hohes Maß an Ethik. Die Technologie kann Einiges. Man muss sich immer die Frage stellen, macht es sozial und ethisch Sinn. Diese Fragen stellen wir uns als Sigfox.

Das Interview können Sie auch in der Online-Ausgabe von IoT 4 Industry&Business finden.