Lenze bildet qualifizierte Ingenieure aus

Lenze setzt auf Nachwuchs: Heuer begangen 33 Auszubildende beim Automatisierungsspezialisten den Sprung in die Arbeitswelt in Form einer Ausbildung oder eines dualen Studiums.
Lenze setzt auf Nachwuchs: Heuer begangen 33 Auszubildende beim Automatisierungsspezialisten den Sprung in die Arbeitswelt in Form einer Ausbildung oder eines dualen Studiums.

Michael May ist nicht nur Software-Applikationsexperte bei Lenze in Hameln, er bildet auch aus. Als Master Trainer im Bereich Automation sorgt er künftig dafür, dass das Thema „qualifizierte Ingenieure“ nicht länger eine Herausforderung für Unternehmen bleibt. Doch was verlangt Industrie 4.0 von Unternehmen noch?

IoT4Industry & Business: Die Industrie 4.0 Bewegung nimmt stetig ihren Lauf, Digitalisierung ist inzwischen ein Begriff des täglichen Arbeitsalltags  geworden. Wie sieht Ihrer Einschätzung nach der Bedarf aus, den Unternehmen hinsichtlich der
Möglichkeiten, die Digitalisierung mit sich bringt, benötigen?
Michael May: Als Mitarbeiter des Lenze-Teams Global Application Support arbeiten meine Kollegen und ich täglich sehr nah mit Kunden zusammen. So erhalten wir Feedback über Sorgen und Bedürfnisse. In diesem Zusammenhang bietet Lenze pro Jahr zwei Veranstaltungen an, die für unsere internen Mitarbeiter weltweit als Kommunikationsplattform gelten und informieren sollen: Zum einen sind das die Mechatronik Days, wo es – wie der Name schon sagt – um Mechatronik geht. Und zum anderen sind das die Automation System Days, die zum jetzigen Zeitpunkt während unseres Gespräches laufen. Hier ist der thematische Schwerpunkt die komplette Automatisierung.

Michael May Software-Applikationsexperte bei Lenze
Deutschland. „KMU haben nicht
die Kapazitäten wie sie Großunternehmen haben. Daher wird ein starker Partner für digitale Transformationsprozesse immer wichtiger.“

IoT: Was sind die Inhalte?
May: Ein wichtiges Lenze-Angebot ist der beratende Bereich. Fragen wie: Wo können wir unseren Kunden im digitalen Engineering-Bereich künftig beratend zur Seite stehen? stellen wir uns hier und auch grundlegende Fragen wie: Was ist eigentlich ein digitaler Engineering Prozess oder digitaler Zwilling? – kommen in den Gesprächen nicht zu kurz.

IoT: Das bedeutet, Lenze-Mitarbeiter treffen sich um das herauszukristallisieren, was vor allem den Mittelstand im Zuge der Industrie 4.0-Debatte bewegt um gezielt neue Angebote zu kreieren?
May: Richtig, denn wir können unsere Kunden natürlich auch dahingehend unterstützen, in dem wir ihnen mit aufzeigen wohin die Reise im Zuge der Industrie 4.0-Prozesse eigentlich geht. Es stellen sich etwa auch Fragen wie: Was sind die Standards von morgen? oder: Wohin gehend muss ich mich als Unternehmen vorbereiten für den Industrie 4.0-Weg? Aber auch Detailfragen wie: Wie schaffe ich es heute Software zu implementieren, die zukunftsfähig ist? – stehen im Raum, denn wir haben in der Vergangenheit und auch aktuell die Situation, dass wenn eine Maschinensoftware entwickelt wird, diese quasi in die Maschine „eingegossen“ ist, um es etwas abstrakt zu formulieren. Das bedeutet, die Maschine geht schlussendlich zum Kunden und die Notwendigkeit, die Software auf der Maschine nach ein paar Jahren auch einmal upzudaten ist gar nicht vorhanden.

IoT: Warum ist das so?
May: Die Maschinenanlage macht ja im Grunde genommen
genau das, was gefordert wird – sie funktioniert. Aber genau hier muss künftig ein Umdenken stattfi nden. Das bedeutet, man entwickelt zukünftig nicht mehr einzig für den ganzen Lebenszyklus einer Maschine die Software, sondern man wird gezwungen auch regelmäßig Updates vorzunehmen. Das wiederum bedeutet auf den Punkt gebracht, man muss sich den Entwicklungen, die die
Digitalisierung mit sich bringt, stellen.

IoT: Was bedeutet das für die Software?
May: Das bedeutet, dass man Software benötigt, die diese Updates auch zulässt bzw. der Integrationsaufwand möglichst gering bleibt, um Produktionsstillstände zu vermeiden. In diesem Zusammenhang wird die Standardisierung von Software wichtiger als jemals zuvor.

IoT: Und Lenze bietet diese Lösungen?
May: Genau. Es ist generell so, dass es viele Standards gibt. Es geht heutzutage nicht nur darum zwei Systeme zu verbinden, sondern es geht eben darum standardisierte Schnittstellen zu verbinden, die über die Konnektivität heraus gehen. Das heißt, ein Standard im Bereich Kommunikation, der sich momentan herauskristallisiert, ist OPC UA. Und in diesem Zusammenhang sind wir als Lenze natürlich auch bestrebt genau solche Standards auch anzubieten. Es geht weiters auch um die Standardisierung der Information, nicht nur um die Kommunikation, die ich übertrage. Ich kann zwei Systeme verbinden, ob sie sich verstehen ist dann immer noch die Frage, die sich stellt. Denn wenn der eine Informationen liefert, die der andere nicht versteht, dann haben wir hier keinen Mehrwert.

IoT:Das bedeutet, keine Standards, kein Mehrwert?
May: Es ist nicht möglich, dass sich jeder Mittelstand seine eigene Standardlösung entwickelt. Es müssen einheitliche Lösungen geschaffen bzw. definiert werden.

IoT: Die nun nächste größte Herausforderung für Unternehmen ist es zu erkennen, den Mehrwert aus dem Volumen an Daten zu generieren. Stimmen Sie dem zu?
May: Das ist richtig. Denn dass Maschinen künftig oder eben jetzt schon miteinander kommunizieren ist Basis. Das Ziel muss jedoch sein, die Produktion bei dem Maschinenbetreiber auf neue Herausforderungen anzupassen. Denn die Produktzyklen werden ja immer kürzer. Ich muss in der Lage sein sowohl vertikal als auch
horizontal Informationen auszutauschen – und zwar möglichst schnell und mit wenig Aufwand. Auf der anderen Seite schicken wir immer mehr Daten in die Cloud. Nun bedarf es aber an Applikationen um eben den Mehrwert aus diesen Daten zu ziehen.

IoT: Wird das angeboten?
May: Monitoring ist das Zauberwort. Wir lesen Informationen aus einem Prozess und analysieren diese anschließend. Hier versuchen wir mit analytischen Lernverfahren Informationen gezielt herauszuziehen. Predictive Maßnahmen sind die Basis für IIoT, hier habe ich den konkreten Mehrwert aus Industrie 4.0 gezogen.
Konkreter wird es bei Lenze auch auf der bevorstehenden SPS IPC Drives in Nürnberg. Hier werden wir entsprechend ein Beispiel vorstellen und Show Cases zeigen.

IoT: Momentan herrscht ja eher die Problematik vor, die Informationen aus den Daten zu ermitteln, die für „mich“ relevant und letztendlich für die Produktion hilfreich sind…
May: …Wir brauchen lernfähige Algorithmen.

IoT: Das bedeutet, Industrie 4.0 ist ein stetiger Prozess, der sich kontinuierlich weiterentwickelt und Schritt für Schritt beschritten werden muss?
May: Es ist ja relativ einfach mal eben Daten eines Gerätes, wie eines Antriebes, in der Cloud abzuspeichern, aber bei mehreren Tausend Geräten ist es dann bereits eine andere Hürde die man überwinden muss. Und was Sie nicht vergessen dürfen ist auch, dass wenn man ein Investment tätigt, dann ist natürlich der ROI zu erwarten.
Die Analyse und Interpretation von Daten und die Rückschlüsse, die ich aus diesen sinnvoll ziehen kann, ist ein Thema, das sich über Jahre hinziehen wird. Man muss aber auch einfach verstehen, dass es hier keine „Zaubersoftware“ gibt, die jeden Fehler, der auftritt, analysieren kann. Hier muss man mit den Maschinenbauern und auch mit uns, also Teilelieferanten, zusammenarbeiten.

IoT: Was bedeutet das nun für den Begriff Industrie 4.0?
May: Ich denke, dass Industrie 4.0 an dieser Stelle hilft, zu sensibilisieren, dass man Informationen sammeln muss. Man muss aber auch verstehen, Prediction gibt es nicht von heute auf morgen. Eine andere Herausforderung ist sicher die Ausbildung. Daher bietet Lenze das so genannte Automation Camp an. Hier werden insgesamt zwölf Ingenieure von Hochschulen kommend für ein Jahr trainiert, in Theorie und Praxis. Unser Ziel ist es, gezielt
Nachwuchs zu fördern und wir sind hier im Vergleich zum OEM im klaren Vorteil, da wir ja auch eine entsprechende Infrastruktur haben.

IoT: Abschließend die Frage: Ist die Technik schneller als es die Menschen sind, die sie bedienen können?
May: Wir sind nicht mehr in der Lage komplett in einem Mitarbeiter jedes Expertwissen zu vereinen. Das geht einfach nicht. Dafür hat sich die Technologie zu schnell entwickelt. Unsere Herausforderung ist es, dass wir momentan nicht ausreichend erfahrene Leute finden, die unseren Ansprüchen genügen. Aber wir können unseren Beitrag dazu leisten, sie entsprechend auszubilden.

Das Interview können Sie auch in der Online-Ausgabe von IoT 4 Industry&Business finden.