Trendbarometer von Festo zeigt Schwächen in Aus- und Weiterbildung

Für den Trendbarometer von Festo werden seit einigen Jahren in regelmäßigen Abständen Industriebetriebe aus ganz Österreich zu relevanten Themen befragt. Knapp 200 österreichweit geführte Interviews lieferten ein interessantes Bild über die aktuellen Herausforderungen für die heimische Industrie.
Für den „Trendbarometer“ von Festo werden seit einigen Jahren in regelmäßigen Abständen Industriebetriebe aus ganz Österreich zu relevanten Themen befragt. Knapp 200 österreichweit geführte Interviews lieferten ein interessantes Bild über die aktuellen Herausforderungen für die heimische Industrie.

„Sind wir bereit zum Abheben – bereit für die Digitalisierung?“ – diese Frage stand diesmal im Fokus des von Festo initiierten Trendbarometers Industrie 2018. Die Antworten zeigen mehr als deutlich, dass noch viel zu tun ist – insbesondere in Sachen Einsatz neuer Technologien und Aus- und Weiterbildung. Ein klarer Auftrag für die Industrie, die Politik und die Lehre.

Volldampf voraus! Die Industrie läuft auf Hochtouren. Etwa die Hälfte der österreichischen Unternehmen beurteilt die aktuelle Auftragslage besser als im Vorjahr. Zudem planen 72 % der im Rahmen des Trendbarometers von Makam befragten Industriebetriebe ein Wachstum für 2018. Die Ampeln stehen also auf Grün – zumindest auf den ersten Blick. Denn Festo wollte es im Rahmen der Trendbarometer-Studie genauer wissen und hat nachgefragt, wie fit die Unternehmen für die Zukunft sind.

Neue Technologien ein Fremdwort?

Dipl.-Ing. Rainer Ostermann
Country Manager von Festo Österreich:
„Neue Technologien und die damit verbundenen Veränderungen im Unternehmensalltag sind oft Fremdworte.“

Überraschend ist, dass laut der Studie die heimische Industrie auf neue Prozesse, Berufsbilder und Strukturen noch nicht gut vorbereitet ist. Zwar sehen knapp die Hälfte – 47 % – durch den Einsatz neuer Technologien Einsparpotenziale in den nächsten drei bis fünf Jahren. Allerdings ist das Bewusstsein für neue Technologien und deren Nutzen gering: 56 % der befragten Unternehmen denken nicht, dass kollaborierende Roboter in Zukunft für ihr Unternehmen sehr oder eher relevant sein werden. Und 63 % interessieren sich nicht für die Vorteile von Big Data bzw. Künstlicher Intelligenz. Dipl.-Ing. Rainer Ostermann, Country Manager von Festo Österreich: „Die Ergebnisse sind aus unserer Sicht alarmierend: Den Unternehmen geht es gut, die Auftragslage ist stabil, man will wachsen. Aber neue Technologien und die damit verbundenen Veränderungen im Unternehmensalltag sind oft noch Fremdworte!“

Industrie 4.0: Praxis und Theorie liegen laut Trendbarometer weit auseinander.

Der Trendbarometer zeigt, dass die Praxis und die Theorie in Sachen Industrie 4.0 noch weit auseinander liegen. Rainer Ostermann: „Das Regierungsprogramm hat unter anderem als Ziel definiert, dass Österreich zur Gruppe der europäischen Innovation-Leader aufsteigen soll. Der Digitalisierung wird dabei eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Die Politik hat also erkannt, dass im Bereich ‚Innovation und Digitalisierung‘ großer Handlungsbedarf besteht. Die Industrie ist jedoch noch weit von diesen Zielen entfernt. Das ist ein Gap, den wir rasch auflösen müssen, wenn wir international wettbewerbsfähig bleiben wollen!“

Veränderungen bei den Berufen.

Die Digitalisierung ist allgegenwärtig spürbar – sie verändert Prozesse, Strukturen und Produktionsabläufe
nachhaltig. So spricht bereits knapp ein Viertel der für den Trendbarometer befragten Unternehmen von offensichtlichen Veränderungen der Funktionen bzw. Funktions- oder Berufsbezeichnungen. Zwei von drei Unternehmen geben an, dass sich der Qualifizierungsbedarf durch die neuen Technologien erhöht und sehen vor allem die Bereiche Installation / Inbetriebnahme (73 %), Wartung/Instandhaltung (77 %) und Forschung/ Entwicklung (68 %) „stark betroffen“ bzw. „betroffen“.

Neue und erweiterte Kompetenzen.

Berufsbilder, wie beispielsweise das der Mechatroniker, Informatiker oder Elektriker entwickeln sich rasant weiter. Industrie 4.0 verlangt nach neuen und erweiterten Kompetenzen. Vernetzung, IT und Data-Knowhow halten Einzug in der Fertigung. Die Nase vorne hat, wer das IoT und die dafür erforderlichen Technologien versteht und einsetzen kann. Das war auch für die Veranstalter von SkillsAustria Anlass, den von Festo unterstützten Sonderwettbewerb „Industrie 4.0“ ins Leben zu rufen, der gute Chancen hat, auch bei den in Graz stattfindenden EuroSkills 2020 dabei zu sein. Das wäre ein wichtiges Signal. „Das Thema ‚Industrie 4.0‘ darf nicht nur akademisch abgehandelt werden und muss daher gut in der Lehrlingsausbildung verankert sein. Ein wichtiger Impuls auch für die Unternehmen“, so Ostermann weiter.

Mechatronik entwickelt sich weiter.

Industrie 4.0 geht über die
Mechatronik hinaus.

Selbst junge Berufe, wie der des Mechatronikers entwickeln sich getrieben von der Digitalisierung rasant weiter. Simon Aschmüller, Lehrlingskoordinator für Mechatronik bei den ÖBB und offizieller österreichischer Experte für Mechatronik bei SkillsAustria: „Es geht darum, einerseits das klassische Basiswissen aus den verschiedenen mechatronischen Disziplinen zu vermitteln, und anderseits die neuen Inhalte rund um die Digitalisierung einzubauen. Vernetzung und IoT sind anschauliche Beispiele dafür. Aber auch der Überblick und das verbindende Gesamtverständnis sind unerlässlich für Mechatroniker. Die Lehre soll aber dadurch nicht länger werden. Das war ausschlaggebend, den Lehrberuf Mechatronik zu modularisieren.“ Lehrlinge können nun aus verschiedenen Modulen wählen, und so die
Ausrichtung der Ausbildung beeinfl ussen. Beispiele für diese Entwicklung sind der Automatisierungstechniker und der Fertigungstechniker, die als Mechatroniker spezifi sche Schwerpunkt-Module besuchen.

Eigenes Berufsfeld Industrie 4.0.

Stefan Praschl, Technischer Delegierter bei SkillsAustria und Technischer
Direktor bei den EuroSkills 2020 „Die voranschreitende Digitalisierung ist
der Grund, warum wir Industrie 4.0
als eigenes Berufsfeld bei den
Berufsmeisterschaften
andenken.“

Industrie 4.0 geht über die Mechatronik hinaus – darum ist auch für die internationalen Berufsmeisterschaften ein eigener Wettbewerb für diesen Bereich angedacht. Stefan Praschl, Technischer Delegierter bei SkillsAustria und Technischer Direktor bei den EuroSkills 2020: „Die voranschreitende Digitalisierung ist der Grund, warum wir Industrie 4.0 als eigenes Berufsfeld bei den Berufsmeisterschaften andenken. Würden wir das Thema umfassend in die Mechatronik integrieren, wäre das zu viel für unseren Veranstaltungszeitrahmen. Zudem ist die Mechatronik oft ein Einstiegsbewerb für weniger industrialisierte Länder. Überfrachten wir diesen Beruf mit noch mehr High-Tech, wird es schwieriger für die neuen Teilnehmer, mitzuhalten.“

Computer und Handy sind noch lange nicht Industrie 4.0.

Ein tiefgehendes Umdenken in der Ausbildung und Lehre ist gefragt – Althergebrachtes ein wenig zu ergänzen, wird nicht reichen. Simon Aschmüller: „Ein Computer und ein Handy sind noch lange nicht Industrie 4.0. Und nur, weil viele Jugendliche gut mit Social-Media-Anwendungen oder ähnlichem zurechtkommen, bedeutet das nicht, dass sie das Internet of Things beherrschen. In der Industriewelt sind andere Qualifikationen gefragt – die gilt es praktisch zu erlernen. Das verlangt nach dem richtigen Equipment und nach modernen Übungsstationen. Dafür müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Nur so kann die Qualität der Lehre mit den Anforderungen der Industrie an die Facharbeiter der Zukunft mithalten.“

„Ready“ sein reicht nicht.

Auch wenn bereits vereinzelt aktiv Maßnahmen gesetzt werden, sollten die Ergebnisse der Trendbarometer-Umfrage dennoch wachrütteln. Rainer Ostermann: „Die
Industrie muss ihre 4.0-Startposition verlassen. Nur ‚Ready‘ sein reicht nicht. Während hierzulande noch über Robotik oder Künstliche Intelligenz nachgedacht wird, befi nden sich Märkte wie die USA oder China schon lange in der Umsetzungsphase und verschaffen sich dadurch einen Vorteil, den wir möglicherweise nur mehr schwer einholen können. Wenn der Wirtschaftsstandort Österreich weiterhin positiv wahrgenommen werden will, dann müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, mit denen Unternehmen jeder Größe und jeder Branche sicher in die Digitale Transformation begleitet werden.“

Appell an die Industrie.

Festo richtet auf Grundlage der Trendbarometer-Ergebnisse daher folgenden Appell an die Industrie, die Politik und die Lehre. Es gilt die Theorie von Industrie 4.0 praktisch auf den Boden zu bringen. Die Politik ist gefordert, Industrie 4.0 mit allen Herausforderungen und Konsequenzen weiter zu forcieren. Die Industrie muss die zugehörigen „Hausaufgaben“ erledigen. Ohne Aus- und Weiterbildung gibt es keine Innovation. An konkreten, maßgeschneiderten Weiterbildungsangeboten mangelt es nicht, man muss sie jedoch auch nutzen. Informations- und Wissensaustausch
machen uns fit für die Zukunft und lassen Hemmschwellen vor dem Umgang mit neuen Technologien geringer werden.
Dazu kommt: Keine Angst vor neuen Berufen! Viele Berufe, die wir heute ausüben, wird es morgen nicht mehr geben – andere dafür schon. Wir müssen daher schon heute darüber nachdenken, wer die „Meister von morgen“ sein werden und uns intensiv darauf vorbereiten. Das ist eine echte Chance für uns alle. Der Trendbarometer Industrie 2018 kann kostenfrei bei Festo angefordert werden und steht unter www.festo.at zum Download bereit.

 

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