Fünf Milliarden mehr Wertschöpfung durch Künstliche Intelligenz

Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz haben einige Länder bereits erkannt, dass dies zu einem enormen Vorteil werden kann.
Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz haben einige Länder bereits erkannt, dass dies zu einem enormen Vorteil werden kann.

An den „Geist in der Maschine“ setzen rund 84 % der österreichischen Führungskräfte große Erwartungen, nur 19 % haben allerdings Strategien für Künstliche Intelligenz in der Produktion entwickelt. Eine Studie der Boston Consulting Group zeigt, welche Länder und Branchen weltweit im Spitzenfeld liegen.

Künstliche Intelligenz (KI) in der Produktion verspricht österreichischen Industrieunternehmen fünf Milliarden Euro an zusätzlicher Wertschöpfung. Das zeigt die Studie „The Ghost in the Machine: Artificial Intelligence in the Factory of the Future“, für die die Boston Consulting Group (BCG) Produktions- und Technologiemanager von rund 1.100 Industrieunternehmen weltweit zu ihren KI-Einsatzfeldern und ihrer KI-Investitionsbereitschaft befragt hat. Fast 90 % der Führungskräfte geben an, KI in den nächsten drei Jahren in ihre Prozesse integrieren zu wollen. Allerdings haben bisher nur 28 % eine klare Strategie für KI in der Produktion entwickelt. In Österreich haben gegenwärtig nur 19 %, also jedes fünfte österreichische Industrieunternehmen, eine KI-Strategie erarbeitet.

Großes Potenzial

„Österreich liegt in Sachen KI im Ländervergleich noch unter dem Durchschnitt. Künstliche Intelligenz birgt jedoch ein großes Wertschöpfungs-Potenzial für die  österreichischen Industrieunternehmen. Entscheidend ist jetzt, aktiv zu werden und in Pilotprojekten Erfahrungen mit den neuen Technologien und der intelligenten Automatisierung zu sammeln“, sagt Dr. Hannes Pichler, BCG-Partner und Leiter der Praxisgruppe Operations in Österreich und Deutschland.

Österreich plant, China optimiert.

Dr. Hannes Pichler, BCG-Partner
Dr. Hannes Pichler: „Österreich liegt in Sachen KI im Ländervergleich noch unter dem Durchschnitt.“

Wie die Studie zeigt, arbeiten Unternehmen, die bereits KI in der Produktion einsetzen, nach agileren Methoden: Sie testen Prototypen schon im frühen Stadium und justieren ihre Arbeitsprozesse schneller nach. Besonders hoch ist der Anteil der Vorreiter in den USA (25 %), in China (23 %) und in Indien (19 %). In Österreich nutzen gegenwärtig nur etwa 12 % der Unternehmen im nennenswerten Umfang KI in ihrer Produktion. „In Österreich bejahen 84 % der Führungskräfte die Frage, ob sie KI in Zukunft im Unternehmen einsetzen wollen.

Einen konkreten strategischen Plan zur Umsetzung hat jedoch nur jedes fünfte Unternehmen. Führungskräfte in China oder Indien beschäftigt bereits heute ein anderes Thema, nämlich die Optimierung ihrer smarten Fabriken“, beobachtet Dr. Pichler weiter.
„Jene Unternehmen, die in Österreich bereits auf KI setzen, nutzen diese zumeist sehr gewinnbringend und identifizieren kontinuierlich Möglichkeiten, die neuen Technologien einzusetzen und weiter zu verbessern. Dies sichert ihnen einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber Unternehmen, die noch nicht mit der Implementierung begonnen oder noch keinen konkreten Plan für die Umsetzung gemacht haben.“

KI als Hebel zur Produktivitätssteigerung.

Der globale Branchenvergleich zeigt: Die Automobil- und Technologieindustrie sind Vorreiter beim Einsatz Künstlicher Intelligenz. Jedes fünfte Unternehmen hat in diesen Bereichen KI bereits im Unternehmen integriert. Aufholbedarf besteht hingegen vor allem bei Pharmaunternehmen und in der Medizintechnik, im Maschinenbau sowie in den Prozessindustrien. Dort nutzt aktuell nur etwa jedes siebte Unternehmen intelligente Systeme in der Produktion. „Vor allem im Bereich Maschinenbau eröffnen sich durch Künstliche Intelligenz ungeahnte Möglichkeiten zur Optimierung und zum Aufbau neuer Geschäftsmodelle. Maschinen generieren in der Produktion enorme Datenmengen, die etwa für vorausschauende Wartung genutzt werden können“, so Dr. Pichler.

Keine KI ohne menschliche Kompetenz.

Fast 70 % der befragten Führungskräfte geben an, dass ihr Unternehmen über zu wenige Kompetenzen im Bereich KI verfügt, um neue Technologien schneller einzuführen. Das gilt vor allem für die Bereiche Datenmanagement, Analytics und Programmierung. Ingenieurwissen alleine reicht heute nicht mehr aus. Mitarbeiter müssen wissen, wie sie KI anwenden“, erklärt der BCG-Partner Dr. Pichler weiter. Umso wichtiger sei es für Industrieunternehmen, ihre Mitarbeiter in den Grundlagen der KI in Produktionssystemen weiterzubilden. Das gezielte Einstellen von KI-Experten, etwa im Bereich Deep Learning, ist eine große Chance für Unternehmen. „Denn eine erfolgreiche Integration von KI kann nur gelingen, wenn lernende Systeme und menschliche Erfahrung optimal ineinander greifen“, ergänzt er.