Autonomes Fahren – Die Software im Fokus

Peter Lieber, VÖSI-Präsident
Peter Lieber ist Präsident des Verbandes Österreichischer Software Industrie. Ausserdem ist er Gründer und Inhaber von SparxSystems Central Europe und LieberLieber Software.

90 % der Innovationen in modernen Fahrzeugen liegen im Bereich der Elektronik und Software meint Peter Lieber, Präsident des Verbandes Österreichischer Software Industrie (VÖSI). Allerdings rät er dazu, die entsprechenden „Hausaufgaben“ rechtzeitig zu erledigen.

Der Schwerpunkt der Innovationen in modernen Fahrzeugen liegt im Bereich der Elektronik und Software – viele sprechen bereits von einem Anteil von 90 % und dieser wird sich noch steigern. Als Präsident des Verbandes Österreichischer Software Industrie (VÖSI) freut mich diese Entwicklung sehr. Allerdings gilt es dabei auch, die entsprechenden „Hausaufgaben“ rechtzeitig zu erledigen. Der VÖSI möchte mit gutem Beispiel vorangehen und Drehscheibe für die Vermittlung fachlicher Kenntnisse sowie die Modernisierung der Softwareentwicklung sein.

Europa hat gute Karten.

Während medial vor allem die USA bei den selbstfahrenden Fahrzeugen für Schlagzeilen sorgen, wird auch in Europa seit Jahren intensiv entwickelt und getestet. Österreichs erste Teststrecke befindet sich seit dem Vorjahr auf einem Teilbereich der Südautobahn (A2) um Graz im Probebetrieb. Der aktuelle KPMG Autonomous Vehicles Readiness Index (AVRI) sieht uns (unter 20 Ländern) immerhin auf dem 12. Platz. Für die weitere Entwicklung ist eine Einbeziehung aller Interessengruppen einschließlich der Bevölkerung wichtig. Aber zurück zur Software: Wenn man sich ansieht, wie österreichische Unternehmen teilweise Software entwickeln, dann fühlt man sich in die Steinzeit der IT zurück versetzt. Software wird nicht „nur geschrieben und das war es dann“, sie muss ständig weiterentwickelt werden – es ist ein andauernder Prozess.

Wer dafür nicht bereit ist, wird am Markt große Schwierigkeiten bekommen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die meisten Erfolgsstorys der Zukunft – gerade auch im Mobilitätsbereich – auf Software basieren werden. Es gibt in Österreich glücklicherweise auch viele Softwareunternehmen, denen ich die für den Erfolg notwendige Internationalisierung absolut zutraue, aber dazu gehören neben viel Mut auch moderne Methoden der Softwareentwicklung. Die steile Karriere der Software bedeutet nämlich auch, dass die abzubildende Komplexität weiter steigt. Daher sind neue Ansätze und Methoden wichtig, um weiter den Überblick zu bewahren.

In einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Unity AG heißt es dazu mit Blick auf die Automobilindustrie: „Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass alle genannten Herausforderungen auf zwei Aspekte weisen: Komplexe, vernetzte Zusammenhänge und hohe Veränderungsgeschwindigkeit. Beides wird nicht mit heutigen Entwicklungsmethoden handlebar sein. Stattdessen gilt es, auf einem fachbereichsübergreifend implementierten Systems Engineering-Fundament, neue und durchgängig modellbasierte Prozesse zu etablieren.“ Modelle haben sich in anderen Branchen wie dem Maschinenbau seit langer Zeit bewährt und werden nun auch die Softwareentwicklung grundlegend verändern.

Die Chance nutzen.

Für mich liegt in den Entwicklungen rund um autonomes Fahren eine große Chance, um die in Österreich bereits vorhandenen Potenziale weiter auszubauen. Besonders wichtig ist dabei auch die Ausbildungssituation. Ich denke, dass wir genug Fachkräfte haben – allerdings mit falschen Qualifikationen.

Es gilt vor allem bei den 13-14-Jährigen Aufklärungsarbeit zu leisten und sie zu begeistern.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch zu mehr Vertrauen in die österreichische Softwarebranche aufrufen. Allzu oft werden für Softwareprojekte lieber internationale Unternehmen beauftragt als heimische. Offenbar ist das, was aus dem eigenen Land kommt, nicht gut genug. Diese Einstellung gilt es zu überdenken. Autonomes Fahren Made in Austria ist möglich, wenn viele daran glauben und die richtigen Weichen stellen.