Steirische Highspeed-Leiterplatten von AT&S weltweit erfolgreich

diese anspruchsvollen Für Projekte im autonome Fahren sind Highspeed-Leiterplatten notwendig.

Die Austria Technologie & Systemtechnik AG, kurz AT&S, ist ein weltweit führender Leiterplattenhersteller aus Leoben in der Steiermark. Der Boom in Richtung autonomes Fahren beschert den Technologieexperten einen sagenhaften Ruf. Denn für autonomes Fahren müssen große, komplexe Datenmengen in Sekundenbruchteilen sicher übertragen werden. Für diese anspruchsvollen Anwendungen sind Highspeed-Leiterplatten notwendig und hier kommen die Steirer mit ihrem Know-how ins Spiel.

Walter Moser, CSO Business Unit Automotive, Industrial & Medical bei AT&S ging in einem Gespräch zum Schwerpunktthema autonomes Fahren für uns ins Detail.

IoT 4 Industry & Business: Autonomes Fahren ist im Fokus der Automobilindustrie angelangt und man arbeitet bereits intensiv an Umsetzungsmöglichkeiten. Inwiefern sind Sie als Unternehmen AT&S in diese Entwicklungen mit eingebunden?

Walter Moser: Autonomes Fahren und die bereits existierenden
Anwendungen dazu stellen für die Mikroelektronik-Industrie ein großes Potenzial dar. Der Leiterplattenmarkt für diese Anwendungen wächst derzeit beispielsweise rund 5,5 % jährlich, bis 2020 soll der Kostenanteil elektronischer Komponenten im Auto auf 35 % steigen, bis 2030 sogar auf 50 % (Quelle: Statista 2018). At&S hat sich durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden bereits in der Vergangenheit mit Leiterplatten für sogenannte Fahrerassistenz Systeme wie beispielsweise Abstandsmessungen, Spurwechselassistenten, navigation, etc. an technologisch führender Stelle frühzeitig positioniert. Wir greifen dabei auf erprobte Technologien aus dem Geschäft mit mobilen Geräten zurück.

IoT: Inwiefern?

Moser: Als führender Anbieter von High-tech Leiterplatten arbeiten wir eng mit unseren Kunden in der halbleiterindustrie zusammen, um ein sogenanntes Referenz-Design für die Automobilhersteller zu erstellen. mit hilfe dieses referenz-Designs können bereits eine Vielzahl von technischen Anforderungen wie die Impedanz, EMV sowie das Wärmemanagement geprüft werden. Darüber hinaus können diverse materialkombinationen auf Interaktion verifiziert werden und auf die spezifischen Anforderungen der Applikation angepasst werden. Unser Ziel ist es, das Thema „autonomes Fahren“ in Zukunft noch stärker zu besetzen und damit unsere technologisch führende Position im Automotive Segment auszubauen. Die Performance- und Zuverlässigkeits-Anforderungen an die Leiterplatten im Bereich autonomes Fahren passen perfekt zu unserer High-end Positionierung. Zusätzlich können wir auf Basis dieser Anforderungen auch Synergien für andere Segmente wie Medizin- od. Industrietechnik erzielen.

Walter Moser, CSO Business Unit Automotive, Industrial & Medical bei AT&S
Walter Moser, CSO Business Unit Automotive, Industrial & Medical bei AT&S: „Für autonomes Fahren müssen große, komplexe Datenmengen in Sekundenbruchteilen sicher übertragen werden. Für diese anspruchsvollen Anwendungen sind Highspeed-Leiterplatten notwendig.“

IoT: Welche technischen Voraussetzungen bietet AT&S für Fahrzeuge, die zum autonomen Fahren entwickelt werden?

Moser: At&S konzentriert sich auf hochwertigste Leiterplatten für komplexe Anwendungen wie z.B. Fahrerassistenzsysteme. Unsere Kernbetätigungsfelder sind:

  • Radar: Notbremsassistenten, Totwinkelwarnung, Automatische  Abstandsregelung
  • Kamera: Spurwechselassistenten und Spurwechselüberwachung
  • Sensorik/ Aktuatorik/ Licht: Einparkhilfen, Regen-/ Lichtsensoren, Lidar

IoT: Was müssen HF-Leiterplatten für autonom fahrende Fahrzeuge können? Wie sind sie aufgebaut und inwiefern wird an ihrem Potenzial für künftige Fortschritte hinsichtlich des autonomen Fahrens bei AT&S intern weiter geforscht?

Moser: Für autonomes Fahren müssen große, komplexe Datenmengen in Sekundenbruchteilen sicher übertragen werden. Für diese anspruchsvollen Anwendungen sind Highspeed-Leiterplatten notwendig. Diese dienen nicht nur als Verbindungsplattform für die elektronischen Bauteile, sondern übernehmen auch Funktionen von beispielsweise Antennen und Filtern. AT&S ist hier weltweit führend und hat Leiterplatten entwickelt, die im Frequenzbereich bis zu 80 GHz, die erforderliche Performance bieten. Diese Technologien sind beispielsweise die Basis für leistungsfähige Radar-Komponenten (Long Range Radar mit 77/79 GHz) in Fahrerassistenzsystemen und damit unabdingbare Voraussetzung für autonomes Fahren.

Bestehende Radar-Systeme arbeiten meist mit 2D-Auflösung. Zukünftige Systeme müssen leitungsfähiger werden, was eine höhere Komplexität der Leiterplatte erfordert. In der zukünftigen Entwicklung spielen ein verbessertes Wärmemanagement (höhere Verlustleistung) sowie neue Materialien eine entscheidende Rolle. Neue Strukturierungsverfahren mit einer höheren Genauigkeit werden eine weitere Miniaturisierung der Systeme erlauben und somit langfristig die Kosten reduzieren. Radar-Systeme alleine bieten jedoch keine ausreichende Redundanz für autonomes Fahren. Daher werden neben Radar-Systemen auch Lidar-Systeme und Kameras erforderlich sein.

IoT: Gibt es für die unterschiedlichen Fahrzeugtypen auch unterschiedliche Leiterplatten hinsichtlich der Größen, Ausstattung etc.?

Moser: Leiterplatten werden heute oft modular aufgebaut, um diese an die Ausstattung des Fahrzeugs anpassen zu können. AT&S ist dabei ein führender Anbieter von modularen Konzepten und wird diese Entwicklung weiter vorantreiben.

IoT: Was muss bei künftigen technologischen Weiterentwicklungen beachtet werden?

Moser: Car-Sharing wird in Zukunft verstärkt an Bedeutung gewinnen und somit steigt auch die Anzahl der Betriebsstunden deutlich – dies gilt es bei der Entwicklung neuer Systeme verstärkt zu berücksichtigen.

IoT: Durch den Standortausbau in Fehring wurde ein klares Zeichen gesetzt, auch dahin gehend, dass die Umsetzung bzw. der Fortschritt in Bezug auf autonomes Fahren Formen annimmt. Zudem bietet die Steiermark eine Teststrecke für diese Fahrzeuge. Spielt Ihnen das als Unternehmen, agierend in diesem Bereich, zu?

Moser: AT&S baut seine globale Kompetenz für autonomes Fahren aus und investiert 40 Mio. Euro in die Werke in Indien und Österreich. Mit dem Erweiterungsprojekt in Fehring, das eine Investitionssumme von 10 Mio. Euro bedeutet, wird das AT&S-Werk in der Südoststeiermark technologisch deutlich aufgerüstet. In Fehring werden ab März 2019 hochwertige Leiterplatten vor allem für den Automotive-Bereich gefertigt – sogenannte Hochfrequenz-Leiterplatten für Anwendungen im Bereich autonomes Fahren, zum Beispiel für Sensoren zur Abstandsmessung. Das ist ein starkes Zeichen für die industrielle Entwicklung der Region Südoststeiermark und entspricht ganz unserer Strategie, Standorte über Technologieausbau weiter zu entwickeln. Die Schaffung der Teststrecke für selbstfahrende Fahrzeuge in der Steiermark begrüßen wir sehr, da sie die Wettbewerbsfähigkeit zahlreicher österreichischer Unternehmen aus der Automobilbranche
sichert.

IoT: Doch wann wird Ihrer Einschätzung nach ein Wandel stattfinden und autonomes Fahren nicht mehr nur Vision sondern verstärkt Realität sein?

Moser: Derzeit sind teilautomatisierte Fahrzeuge (Level 2 und Level 3) am Markt verfügbar: Das sind Fahrzeuge mit Fahrerassistenzsystemen, die bei der Fahrzeugbedienung (z.B. Spurwechselassistent, Parkassistent) unterstützen. Der Übergang zu Level 4 und somit die Einführung hochautomatisierter Fahrzeuge wird in naher Zukunft erwartet, sodass die Technik für vollautomatisierte Fahrzeuge in vier bis sechs Jahren zur Verfügung stehen wird. Ob diese Technik auch tatsächlich eingesetzt werden
wird, wird stark von der vorhandenen Infrastruktur, den gesetzlichen Rahmenbedingungen – aber vor allem von der Akzeptanz in der Bevölkerung – abhängen.