Fachkongress Industrie 4.0 | smart, digital & standardisiert?

Vorträge im Plenum beim Fachkongress Industrie 4.0 | Bild: Gudrun Lunacek
Die Vortragsthemen rankten um Standards, Best Practice Beispiele und das, was noch kommen kann | Bild: Gudrun Lunacek

Der digitale Zwilling, Smart Manufacturing und Informationen rund um Standards und Normen im Zusammenhang mit Digitalisierung.  Das ist nur ein Auszug der Themen, die beim 2. Fachkongress Industrie 4.0 gemäß dem Motto „Future Standards Now!“ präsentiert und diskutiert wurden. Veranstalter Austrian Standards ließ Redner aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zu Wort kommen.

„89 Mal kommt im Regierungsprogramm der Begriff Digitalisierung vor“. Mit diesen Worten leitete der Moderator dieser Veranstaltung, DI Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0, gleich direkt zum Thema von Dr. Matthias Tschirf über. Er kam als Vertreter der BM für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und zitierte aus ebendiesem, denn Digitalisierung ist ein zentraler Punkt, denn:

„Dgitialisierung durchdringt auch in Österreich zunehmend alle Wirtschaftsbereiche.“

Mit Platz 10 beim DESI 2017 (Digital Economy and Society Index) etwa belegt Österreich einen Platz im Mittelfeld. Dieser Index misst die Fortschritte des Landes im digitalen Bereich. Positiv schneidet Österreich hierbei etwa im Bereich Infrastruktur (dazu zählt auch Leistbarkeit), aber auch e-Government ab. Das erklärte Ziel ist es, mit gezielten Maßnahmen Österreich zu einem Top-Digitalstandort weltweit zu machen, so Tschirf.

Schlüssel 4.0 | Best-Practice von EVVA

Ein Unternehmen, bei dem die Digitalisierung bereits ein fixer Bestandteil der Unternehmensstrategie geworden ist, ist der bekannte Schlüsselhersteller EVVA. Das Familienunternehmen verpflichtet alle Bereiche, das Thema Digitalisierung ernst zu nehmen. Doch wie kann Disruption in einem Unternehmen aussehen, das Schlüssel herstellt? DI Michael Kiel verantwortet bei EVVa die Bereiche Operations & Qualitätsmanagement und konnte Antworten auf die Frage liefern. Der Weg geht vom 0815-Schlüssel, den wir alle in unserer Tasche haben zum smarten, digitalen Schlüssel, den wir ebenfalls alle in unserer Hand- oder Hosentasche tragen – dem Mobiltelefon. Zutrittsberechtigungen werden online erteilt und können jederzeit geändert werden. Die Kommunikation mit dem Schließsystem erfolgt mittels NFC (Near Field Communication). Auch im Bereich der additiven Fertigung gibt es bei EVVA die Überlegung einen eigenen 3D-Drucker anzuschaffen. Die Bestrebungen gehen dahin, auch Losgröße 1 in Standard-Lieferzeit zu schaffen.

Industrie 4.0 | Kooperation der DACH-Region

Industrie 4.0 macht das möglich – komplexe Produktionsschritte werden durch vernetzte Fertigung automatisiert. Dadurch können Massenartikel, wie etwa die EVVA-Schlüssel, auch in Kleinserien bzw. in Losgröße 1 wirtschaftlich produziert werden. Auf der Hannover Messe, der weltweit wichtigsten Industriemesse wird der Digital Factory eine eigene Leitmesse in der Messe gewidmet. 2018 wird am Schweizer Pavillion der Messe ausserdem eine besondere Kooperation verschriftlicht, wie Yves Leboucher vom SCI4.0 (Standardization Coucil Industrie 4.0) verriet. Die Plattformen Industrie 4.0 aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden ein Memorandum zur engen Kooperation unterzeichnen um gemeinsam die Standards weiterzuentwickeln, um eine Basis zu schaffen um den Herausforderungen der Digitalisierung entgegenzutreten.

Harte Zeiten für die Druckindustrie?

„Industrie 2025“ – das ist die Schweizer Übersetzung von Industrie 4.0 um sich zu in Zeiten der Digitalisierung zu differenzieren. Als Bestpractice-Bespiel zeigte Roland Henn, wie sich das Schweizer Familienunternehmen Müller-Martini dem Wandel in der Branche stellt. Müller Martini ist Welt-Marktführer bei Maschinen für Buchbinderei. Die Digitalisierung ist bekanntermaßen eine große Herausforderung in der Druckindustrie. Die Schweizer sind diese Entwicklungen mitgegangen und haben einen neuen Weg beschritten. Und dieser ist dem Beispiel EVVA nicht unähnlich: Individualisierung und wirtschaftliche Produktion von Kleinstauflagen. Möglich gemacht durch hochautomatisierte Systeme.

Über eine App zu Echtzeit-Daten

Das ist auch das Metier von Rockwell, die die „Welt produktiver und nachhaltiger machen“ wollen, wie Siegfried Klug, Vertriebsleiter von Rockwell in Österreich und Deutschland, die Marschrichtung klar machten. Bereits 2006 habe man begonnen, die Produktion schrittweise zu digitalisieren. „Das war noch die Zeit, wo man ein Excel-Sheet erstellte, wenn es wo hakte“, erinnerte Klug zurück. Heute gibt es online globale Daten, die in Real-Time und mobil zur Verfügung stehen. Veränderte Welt. Eine bedienerfreundlichere Welt, die Klug hier weiter zeichnet. Factory Talk Analytics nennt sich die Analyselösung von Rockwell, die die Benutzer ohne aufwendigen Schulungsaufwand mit Maschinenbau-Wissen versorgt. Konkret bedeutet das zB., dass via mobilen Endgeräts die Maschinendaten der weltweit eingesetzten Maschinen angezeigt werden können. In den Kundenprojekten hat sich gezeigt:

„Digitalisierung ist Chefsache. Und diese Kontakte suchen wir auf in der Umsetzung.“

Ebenso wichtig sei es aber die Menschen in der Produktion ins Boot zu holen und deren wertvolles Know-How zu nützen. Dabei sei es wichtig die Produktionsmitarbeiter in der Konzeptphase einzubinden. Das sei die wirkvollste Maßnahme, um die Bereitschaft der Mitarbeiter zur Nutzung digitaler Technologien gewinnen.

Podiumsdiskussion: „Standards – der Schlüssel zur Digitalisierung der Industrie?

Den Abschluss der Vormittagssession bildete eine Podiumsdiskussion, moderiert von Ingrid Brodnig, Digital Champion und Buchautorin. „Standards – der Schlüssel zur Digitalisierung der Industrie?“ Dabei wurde die Rolle der kleinen und vor allem größeren Unternehmen bei Definition der Standards spielen. Außerdem wurden die fiktiven Gefahren von Staubsauerrobotern thematisiert. Das nicht zuletzt wegen der Todesmeldung des bekannten, fast legendären Physikers, der in künstlicher Intelligenz eine Gefahr sah. Ein ausführlicher Bericht dazu folgt bald. Außerdem: Interview mit dem „gechipten“ Menschen.