Interview | „Es fehlt an Kreativität!“

544 Interessenten kamen in Wien beim Red Hat Forum zusammen, die Zahl wächst stetig, das Interesse ist mehr als vorhanden. | Bild: Sebastian Philipp
544 Interessenten kamen in Wien beim Red Hat Forum zusammen, die Zahl wächst stetig, das Interesse ist mehr als vorhanden. | Bild: Sebastian Philipp

Planen, überlegen und die Fähigkeit, Dinge umzusetzen – das liegt Udo Urbantschitsch im Blut. Der ehemalige Microsoft Manager verantwortet seit Herbst vergangenen Jahres nun offiziell die Agenden von Red Hat Österreich, einem Open-Source-Anbieter mit inzwischen zehn Mitarbeitern hierzulande.

Das Markenzeichen ist der „rote Hut“, der überall auf dem Event zu sehen war. | Bild: RedHat
Das Markenzeichen ist der „rote Hut“, der überall auf dem Event zu sehen war. | Bild: RedHat

Wien stand im Herbst 2017 im Mittelpunkt von Red Hat und das Firmen-Markenzeichen – wie der Name bereits sagt – war nicht zu übersehen beim gleichnamigen Event. 544 Teilnehmer waren in Wien zu verzeichnen –Tendenz steigend. Zu den Keynote-Speakern gehörte die Porsche Informatik.

In zahlreichen weiteren Vorträgen wurde verdeutlicht, dass die Nachfrage nach Red Hat-Lösungen steigt. Lars Herrmann, General Manager Integrated Solutions and Container Strategy, und Udo Urbantschitsch erklärten in einem Interview noch einmal genau, warum Red Hat der richtige Ansprechpartner ist – nicht nur, wenn es um technologisches Know-how geht.

IoT4 Industry & Business: Österreich und die Welt befinden sich in einer digitalen Transformation. Wie Sie bereits bei Ihrer Präsentation hervorgehoben haben, befinden wir uns alle auf einer so genannten Reise. Wohin geht die Fahrt denn für Red Hat Österreich?

Udo Urbantschitsch: Das spannende an Red Hat ist, dass es uns in Österreich ja erst seit etwas mehr als einem Jahr gibt. Wir haben uns nach langen Überlegungen nun dazu entschlossen, den zuvor aus München mit verwalteten Markt hierzulande eigenständig weiterentwickeln zu lassen. Warum? Aufgrund der starken Nachfrage nach unseren Dienstleistungen und Produkten. Weiters ist es immer auch erwünscht vor Ort einen Ansprechpartner zu haben, auf dem man im Ernstfall schnell zurückgreifen kann.

Begonnen haben wir mit gerade einmal zwei Mitarbeitern. Inzwischen sind wir als Team schon zehn Kollegen und wachsen stetig weiter. Wir haben sowohl technische Berater als auch die klassische Kundenbetreuung, die wir hier in Österreich nun vor Ort anbieten können.

IoT: Ist das auch der Grund dafür, weshalb das Red Hat Forum 2017 in Wien stattfand?

Urbantschitsch: Es ist in der Tat so, dass wir nicht in jedem Land ein Forum anbieten können, da es auch logistisch eine zu große Herausforderung wäre. 2017 haben wir das Red Hat Forum in Wien stattfinden lassen und nicht in Deutschland, um einfach gebündelt aus den angrenzenden Ländern die Teilnehmer einzuladen, hierzu gehörten eben auch die osteuropäischen Staaten. Wie wir sehen, ist unsere Idee mit großem Erfolg aufgegangen und wir verzeichnen 544 Teilnehmer.

IoT: Ist die Veranstaltung in Wien eine Premiere?

Urbantschitsch: In Wien findet das Red Hat Forum bereits zum dritten Mal statt. Für die kommende Veranstaltung müssen wir uns aber dann schon eine andere Location suchen, weil wir einen enormen Zuwachs verzeichnen und die Räumlichkeiten zu klein werden.

IoT: Was ist in Bezug auf den Digitalisierungsprozess Ihre Einschätzung für die Unternehmen in Österreich? Verschlafen wir den digitalen Wandel?

Udo Urbantschitsch: „Red Hat OpenShift Container Platform bietet eine sichere, stabile Plattform für Container-basierte Implementierungen.“ | Bild: RedHat
Udo Urbantschitsch: „Red Hat OpenShift Container Platform bietet eine sichere, stabile Plattform für Container-basierte Implementierungen.“ | Bild: RedHat

Urbantschitsch: Ich bin sehr viel beim Kunden unterwegs und habe einen technischen Background. Was ich derzeit vermehrt feststelle in den Kundengesprächen ist, dass wir scheinbar als Red Hat eine Lösung anbieten, die für die anstehenden Probleme unserer und auch neuer Kunden von großer Relevanz ist. Wir haben bereits eine Antwort für die Fragen unserer Kunden.

Und wie bei Gartner bzw. meinem Kollegen Werner Knoblich, Senior Vice President und General Manager EMEA, schon in seinem Vortrag betont: „Organizations that haven’t modernized their application architecture and infrastructure to support digital business will fall further behind new entrants and fast-moving competitors.” Das ist auch meine Meinung.

Lars Herrmann: Wir machen seit über 15 Jahren Enterprise Business und diese Erfahrung spricht für sich. In vielen Organisationen sind wir schon Teil der Lösung und hier setzen wir auch auf das Vertrauen, das uns ausgesprochen wird. Red Hat ist der weltweit führende Anbieter von Open-Source-Lösungen und ist Vorreiter bei allen Technologie-Trends, die Kunden heutzutage beeinflussen – Hybrid Cloud, Multi-Cloud, Digital Transformation, Applikationsentwicklung und Container etc.

Lars Herrmann: „Wir machen seit über 15 Jahren Enterprise Business und diese Erfahrung spricht für sich.“
Lars Herrmann: „Wir machen seit über 15 Jahren Enterprise Business und diese Erfahrung spricht für sich.“

Die derzeitigen Herausforderungen vieler Unternehmen sind die digitalen Transformationen und Veränderungen, die mitgebracht werden. Und wir besetzen das Thema Hybrid Cloud, moderne Anwendungsentwicklung, Security Management etc. bereits seit vielen Jahren und sind insofern auch, so kann man es sagen, perfekt positioniert. Und genau jetzt, in der Zeit, wo es für Kunden real wird, sind wir als Partner mit den technischen Antworten vor Ort. Es ist die Reputation, die wir als Red Hat schon haben.

IoT: Gehen Sie in bestimmte Branchen mit Ihren Lösungen oder sind Sie eher breit aufgestellt?

Herrmann: Wir betreiben unser Produktportfolio absichtlich horizontal und haben aber in bestimmten Branchen gewisse Stärken.

IoT: Welche Branchen wären das?

Herrmann: Ganz klassisch die, in denen die Technologisierung bereits intensiver vorangetrieben wurde, wie etwa die Gesundheitsbranche (in Nordamerika) oder auch die Finanz- und Regierungsbereiche und natürlich die IT-Branche selber sind weiterentwickelt.

IoT: Wie sieht es mit der Industrie aus?

Hermann: Hier sind wir auch vertreten, die Sichtbarkeit entwickelt sich aber erst. Wie wir alle wissen, lief die IT in diesen Bereichen immer stiefmütterlich nebenbei. Jetzt erst wird durch das Internet der Dinge bzw. den Digitalisierungsprozess der Wandel und die Notwendigkeit stärker sichtbar. Die Wertschöpfung wächst nun auch in diesem Bereich und man muss sich die Frage stellen, wo liegt unsere Wertschöpfung?

Urbantschitsch: In Österreich reden wir sehr viel mit den so genannten Hidden Champions, die ja bekanntermaßen für Österreich ein Aushängeschild sind. Der wirtschaftliche Erfolg Österreichs basiert auch unter anderem auf diesen Unternehmen. Und wir sprechen gerade bei diesen Unternehmen von Experten aus den Bereichen Anlagenbau, Fertigung usw.

Was das Thema Industrie 4.0 anbelangt, sind wir derzeit mit einer großen Anzahl an Betrieben bereits in so genannten Proof of Concepts, um eben neue digitale Wertschöpfungen zu lukrieren.

IoT: Müssen sich Unternehmen zukünftig anderen „Partnern“ gegenüber offener präsentieren für eine gelungene Umsetzung von IoT?

Urbantschitsch: Es findet derzeit ein komplettes Umdenken statt. Der Wille, in die digitale Transformation zu investieren, muss allerdings von Anfang an gegeben sein – und das verzeichnen wir in den Kundengesprächen schon.

IoT: Sind Sie der Ansicht, dass das Thema Digitalisierung eher die Chefetage ansprechen sollte?

Urbantschitsch: Das ist meine Meinung, ja. In vielen Gesprächen wurde eines ganz deutlich: Die meisten Unternehmen wissen nicht, was sie mit den Daten, die sie lukrieren, anfangen sollen, die zuständigen Abteilungen haben technisch Möglichkeiten geschaffen, aber das Hinterfragen der Kernziele und der wirtschaftlichen Aspekte, die muss auch in den Chefetagen landen und diskutiert und besprochen werden.

IoT: Woran scheitert dann so oft die Umsetzung?

Urbantschitsch: Es fehlt ganz oft Kreativität. Was kann ich mit meinen Daten denn eigentlich anfangen? Hier herrscht ein ambivalentes Verhältnis vor. Ich muss mich doch fragen, was ist möglich? Und auf der anderen Seite doch auch ein Gefühl für neue Geschäftsmodelle entwickeln. Wenn man sich auf beiden Ebenen annähert, kann man doch sehr viel schneller zu einem Ergebnis kommen. Das „Willensbekenntnis“ muss in jedem Fall vorhanden sein.

Herrmann: Ich würde sogar sagen, dass man die unterschiedlichsten Einstiegsmöglichkeiten in die digitalen Transformationsprozesse näher betrachten muss. Die klassische Ebene ist dabei die technologiegetriebene. Ein weiterer und auch sehr viel interessanterer Einstieg ist aber der strategisch getriebene Top-Down-Faktor.

Denn hierbei stellt das Management ganz klar fest, wir müssen uns verändern und an den sich verändernden Marktverhältnissen anpassen – wir müssen dazulernen und auch Wertschöpfungsketten erkennen. In diesem Fall kommen die Veränderungsprozesse ganz klar von oben.

Ein anderer Weg ist der, dass sich Unternehmen aber auch mit Mitbewerbern zusammenschließen und erkennen, dass sie einen neuen Weg gehen müssen, damit sie von der eigenen Technologie und der Weiterentwicklung nicht überrollt werden.

IoT: Fehlt der Mut zur Veränderung?

Herrmann: Es gibt immer Unternehmen, die wissen, wohin sie wollen. Das ist aber weltweit eben ein sehr kleiner Teil und hier spricht man dann von den so genannten „digital leadern“.

Ein sehr viel größerer Anteil an Unternehmen bildet ein eher zartes Pflänzchen, die da wissen, was sie wollen und auf dem richtigen Weg sind – hier dauert aber die Entwicklung eben noch eine Zeit lang an.

Die dritte Gruppe, die der Skeptiker, die diesen Technologien gegenüber negativ eingestellt sind, wird sehr schnell kleiner, denn die Entwicklungen am Markt zeigen ganz klar: der digitale Wandel ist keine Seifenblase mehr, wir befinden uns mitten in diesem Prozess.

Urbantschitsch: Generell muss man was Österreich anbelangt aufpassen, wie es aus Sicht der heimischen Unternehmen kommuniziert wird. Wir haben oft die Tendenz dazu, etwas schlechter zu reden als es letztendlich ist. (lacht)
Ich sehe jedoch, dass die Unternehmen zunehmend erkennen, dass eine Chance greifbar ist durch den digitalen Wandel.

Herrmann: Wir sind innerhalb der Automobilindustrie verstärkt tätig und gerade hier sehen Sie die schnelle Entwicklung der digitalen Branche. Ich gebe aber zu, dass es nicht immer einfach ist von einem reinen industriellen Geschäftsmodell auf ein rein digitales umzudenken. Experimentieren ist notwendig.

Urbantschitsch: Auf uns kommen interessanterweise auch Kunden zu, um sich in einem völlig anderen Komplex Leistung zu holen, sie wollen im Bereich Consulting von uns Unterstützung erfahren. Das ist völlig neu für uns, aber eine Bestätigung unserer Art und Weise, wie wir an die Zukunft herangehen.

Ich war vor meiner Zeit bei Red Hat bei einem Partner und habe dort im Consultingbereich aktiv mit der Technik zu tun gehabt. Technologie ist das Eine, aber ohne entsprechende Fantasie und Modelle wird die Digitalisierung nicht greifen. Die Unternehmenskultur muss sich auf die neuen Herausforderungen am Markt einlassen und der Mut zum Scheitern muss ebenfalls vorhanden sein.